Living Poets Society ist kein Bauchgefühl. Hinter jeder Übung steht Forschung aus Pädagogischer Psychologie, Lernwissenschaft und Philosophie, fundiert im Studium der Erziehungswissenschaft an der Universität Zürich.
John Hatties Synthese aus über 800 Metaanalysen zeigt: Rund 30 % der Leistungsunterschiede von Lernenden gehen auf die Lehrperson und die Qualität des Unterrichts zurück. Beziehung, Klarheit und echtes Feedback wirken. Genau hier setzen wir an.
Hattie, J. (2003). Teachers Make a Difference · Hattie, J. (2009). Visible Learning. Routledge
Über ein Jahrhundert Forschung lässt sich in drei grossen Traditionen lesen. Wir nutzen alle drei, jede dort, wo sie am stärksten ist.
Verhalten entsteht aus Reiz, Reaktion und Verstärkung. Pawlow, Thorndike, Skinner und Bandura zeigten, wie Gewohnheiten geformt werden.
Lernen ist Informationsverarbeitung. Das Arbeitsgedächtnis ist begrenzt (Cognitive Load); Wissen wird durch Chunking, Schemata und Bilder gespeichert.
Wissen wird auf Vorwissen aufgebaut, nicht übertragen (Piaget, Aebli). Echtes Verstehen entsteht durch aktives Strukturieren: das Aha statt Drill.
Selbstführung ist ein Kreislauf aus drei Phasen (Zimmerman). Wir üben ihn, bis er zur Gewohnheit wird. Denn auch selbstgesteuertes Lernen muss gelernt werden.
Ziele setzen, planen, sich selbst etwas zutrauen, bevor es losgeht.
Aufmerksamkeit lenken, dranbleiben, sich selbst dabei beobachten.
Auswerten, verstehen warum. Und beim nächsten Mal klüger ansetzen.
Wiederholen, elaborieren, organisieren & strukturieren.
Planen, überwachen, bewerten: das Denken über das eigene Denken.
Zeit planen, Konzentration halten, die Umgebung gestalten.
Zimmerman, B. J. (2002). Becoming a Self-Regulated Learner. Theory Into Practice, 41(2) · PQ4R: Thomas & Robinson (1972)
Die Selbstbestimmungstheorie (Deci & Ryan) zeigt: Echte, innere Motivation wächst, wenn drei Grundbedürfnisse erfüllt sind.
Selbst entscheiden dürfen: aus eigenem Willen handeln statt auf Befehl.
Sich wirksam erleben: an Aufgaben wachsen, die weder über- noch unterfordern.
Gesehen und ernst genommen werden: die Basis jeder echten Entwicklung.
Carol Dwecks Growth Mindset: Fähigkeit ist keine feste Grösse, sondern wächst mit Anstrengung. Das Gehirn ist plastisch. Lernen macht buchstäblich klüger. Fehler sind Lerngelegenheiten, nicht Urteile.
Erfolg der eigenen Anstrengung zuschreiben (Weiner): das, was man kontrollieren kann. So entsteht Selbstwirksamkeit statt Ohnmacht.
Die Überzeugung, eine Aufgabe aus eigener Kraft zu bewältigen (Bandura). Sie wächst durch Erfolgserlebnisse und kleine, erreichbare Ziele: pasos cortos, vista larga. Deshalb loben wir Anstrengung und Bemühung, nicht nur Talent.
Wenn die Anforderung einer Aufgabe genau dem Können entspricht, geht man ganz in ihr auf. Der Handlungsablauf wird «glatt wie Seide». Weder Überforderung noch Langeweile. Genau dieses Niveau suchen wir.
Bandura, A. (1997). Self-Efficacy: The Exercise of Control. Freeman · Csikszentmihalyi, M. (1990). Flow. Harper & Row
Die Zone der nächstmöglichen Entwicklung ist der Bereich zwischen dem, was jemand allein schafft, und dem, was er mit Anleitung schafft. Genau dort findet Wachstum statt.
Ein Mentor baut ein Gerüst (Scaffolding) und nimmt es weg, sobald es nicht mehr gebraucht wird. Deshalb arbeiten wir mit Gruppencalls und Coaching, nicht mit Frontalunterricht.
Wygotski, L. S. (1978). Mind in Society. Harvard University Press · Wood, Bruner & Ross (1976). The Role of Tutoring in Problem Solving. J. Child Psychol. Psychiatry, 17(2)
Eine Lehrperson wirkt weit über den Stoff hinaus: durch das, was sie zutraut, und durch ihre Glaubwürdigkeit.
Was eine Lehrperson einem Kind zutraut, wird oft wahr: Erwartungen beeinflussen die Leistung, das «Gesetz des Beobachters». Wir begegnen jedem Menschen mit dem Glauben an sein Potenzial.
Drei Dinge machen eine Lehrperson glaubwürdig: Vertrauenswürdigkeit, Fürsorge und Kompetenz. Practices what he preaches. Wir leben vor, was wir lehren.
Rosenthal, R. & Jacobson, L. (1968). Pygmalion in the Classroom. Holt, Rinehart & Winston · Hattie, J. (2012). Visible Learning for Teachers. Routledge
Mit dem Jugendalter entsteht das abstrakte, hypothetische Denken (Piaget: formale Operationen ab ca. 11 Jahren). Die Kernaufgabe dieser Phase ist die Identität, die Frage: Wer bin ich, und wer will ich werden? Weil diese Reife nicht im Gleichschritt des Geburtsjahrs verläuft, gliedern wir den Weg nach Bewusstsein, von den Young Poets über die Young Philosophers zu den Young Alchemists.
Piaget, J. & Inhelder, B. (1969). The Psychology of the Child. Basic Books · Oerter & Dreher (2008). Jugendalter. In: Oerter/Montada, Entwicklungspsychologie, 6. Aufl. Beltz
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